Mit Verlaub mein Herr:

Ich muss eine einfache Frage stellen, die den Kern unserer technologischen Naivität offenlegt:

Warum überlassen wir das Grundrecht auf unsere eigenen Daten ausländischen Großkonzernen?

Seit Jahren sehen wir, wie unsere politischen und regulatorischen BemĂĽhungen im Digitalen verpuffen.
Wir versuchen, Big Tech zu kontrollieren, aber wir besitzen keine digitale Infrastruktur, auf der Kontrolle überhaupt möglich wäre.

In dieser Lage wirkt es grotesk, wenn ein Gesundheitsökonom behauptet:
„Die ePA ist sicher.“

Ebenso grotesk ist es, wenn selbsternannte deutsche „IT-Experten“ suggerieren, jedes Unternehmen brauche Cloud, KI und Datenabfluss nach Übersee.

Und es ist schlicht verwerflich, wenn deutsche Vorstände freiwillig auf technologischen Wettbewerb verzichten und sich im Digitalen mit einem Vasallen-Dasein zufriedengeben.

Im selben Atemzug reden wir ĂĽber Fachkräftemangel, Engpassberufe – als hätte das nichts mit der systematischen Auslagerung unserer digitalen Kompetenz zu tun.


Die Naivitätsbrille Europas

Wir glauben ernsthaft, ein „Schulterschluss mit Big Tech“ sei Teil der Zukunft.
Dabei hat uns die Vergangenheit längst gezeigt, wohin der Weg führt:

1. Outsourcing der Produktion (Körperliche Arbeit)

Produktion in Billiglohnländer verlagert.
➡️ Ergebnis: Verlust von Qualität, Lieferkette, Know-how.

2. Outsourcing des Service (Interaktion & Beziehung)

Call-Center, Backoffices, Dienstleistungsexil.
➡️ Ergebnis: Verlust der Kundenbindung, Verlust sensibler Daten.

3. Outsourcing der IT (digitale Infrastruktur)

Abhängigkeit von Hyperscalern.
➡️ Ergebnis: Verlust digitaler Souveränität.

Und jetzt gehen wir den letzten Schritt:

4. Outsourcing der Kognition (Wissen & Intelligenz)

Wir verlagern Denken, Problemlösung und Expertise in fremde KI-Modelle.
Und wir fĂĽttern diese Modelle freiwillig, mit jedem Prompt, jedem RAG-Modell, jedem API-Call.

➡️ Ergebnis:
Europa wird zur leeren HĂĽlse.
Eine Wissensmaschine ohne eigenes Wissen.
Ein Markt ohne Eigentum.
Ein Kontinent, der sein geistiges Kapital an Modelle abgibt, die nicht ihm gehören.


Der stille GroĂźschaden

Wir reden nicht mehr von DatenabflĂĽssen.
Wir reden von IntelligenzabflĂĽssen.

Und wir erlauben sie:

  • legal
  • gĂĽnstig
  • bequem
  • ohne Debatte
  • ohne Gegenleistung

Europa betreibt ein reibungsloses, massenhaftes Wissensexport-System, dessen Konsequenzen wir erst merken werden, wenn es zu spät ist.

Digitale Beerdigung

Wir verlieren nicht nur Daten.
Wir verlieren uns selbst.

Wer noch so naiv ist, und an Einzelfälle glaubt, der sollte sich klar machen: Du bist der Nächste!

Erst traf es den Chefankläger Karim Khan. US Sanktionen. Microsoft drehte ihm das berufliche E-Mail ab.
Konten werden eingefroren, zentrale Dienste fallen weg.

Microsoft beschwichtigte: “Es betrifft lediglich das Konto einer Einzelperson”

Dann Nicolas Guillou (Richter).
Ebenfalls nun auf der Sanktionsliste.
Amazon, Airbnb, Paypal, Visa, Mastercard, Hotelportale, teils sogar europäische Banken: alles dicht.

Beiden gemeinsam:

– Sie sind nicht Terroristen, nicht Oligarchen, nicht Waffen- oder Droganhändler.
– Ihr “Verbrechen”: Sie ĂĽben ihr Amt an einem internationalen Gericht aus, und zwar in einer Weise, die geopolitischen Interessen einer Weltmacht widerspricht, die eben die Infrastruktur kontrolliert.

Die digitale Beerdigung lässt sich so beschreiben:

Wer auf der falschen Seite der geostrategischen Interessen steht, verliert nicht seine Freiheit, sondern zuerst seine digitale Existenz.

Und das ist der nächste Eskalations-Level:

Heute: Sanktionen = Komplettentzug von digitaler Teilhabe: Kommunikation, Reisen, Banking, Buchungen, Commerce.

Wer ist der Nächste?

Das ist keine Polemik, sondern die logische Anschlussfrage.

Wenn Chefankläger und Richter eines Internationalen Gerichtshofs so behandelt werden, wer ist dann bitte noch sicher?

Journalisten? Whistleblower? Aktivisten? Entwickler, die “falsche” Tools bauen?
Unternehmen?

Sie leben physisch weiter, aber ihre funktionale Teilnahme am modernen Leben wird abgeschaltet.

An dieser Tatsache ändert die auch kĂĽrzlich getroffene europäische Absichtserklärung “Digitale Souveränität” erst einmal nichts.